„Ich muss immer am Drücker bleiben“

Tief im Süden der Republik bringt Hanneliese Minor in ihrem Café Menschen zusammen – Handwerker, Geflüchtete, ältere Damen. Warum macht sie das?

 

Hanneliese Minor

In der 4.000-Einwohner-Gemeinde Hohentengen, an der Grenze zur Schweiz, engagieren Sie sich für eine offene Gesellschaft. Seit wann eigentlich?

 

Hanneliese Minor: Eigentlich engagiere ich mich schon mein ganzes Leben lang für eine offene Gesellschaft, schon als Klassensprecherin in der Schule, und später dann als Lehrerin. Inzwischen betreibe ich in meiner Pension im Hochrhein ein Café, in dem sich Menschen treffen und diskutieren. Ich fand, das passt gut zum Gedanken der Initiative, sodass ich mich als Freundin angemeldet habe.

 

Was passiert in Ihrem Café?

 

Hanneliese Minor: Ich wollte einen Raum für Gespräche schaffen, der an keine Erwartungen geknüpft ist. Deshalb spreche ich anders als andere Projekte auch nicht von einem Begegnungscafé, sondern schlicht von einem Café. Es geht hier aber nicht darum, auf Biegen und Brechen Gewinne zu schöpfen, sondern darum, Menschen zusammenzubringen. Im Café treffen sich verschiedenste Gruppen zu Stammtischen oder es werden Angebote gemacht, zum Beispiel Deutschunterricht für Geflüchtete. Hier trifft sich auch regelmäßig eine Gruppe von Handwerkern, die über Themen wie den Mindestlohn diskutiert oder sich über die Arbeit mit Geflüchteten in ihren Betrieben austauscht. Auch eine Gruppe von älteren Damen findet regelmäßig zusammen. Die älteste Dame ist bereits 92 Jahre alt.

 

Nicht überflüssig sein

Klingt nach einer Menge Betrieb …

 

Hanneliese Minor: Einfach ist es aber nicht immer für mich, das Café am Laufen zu halten. Ich musste lernen, viel Geduld zu haben. Anfangs dachte ich, die Menschen kämen von allein in mein Café. Doch ohne ein stetiges Angebot an Veranstaltungen geht es leider nicht. Ich muss immer am Drücker bleiben und den Gästen etwas bieten. Aber ich mache das gerne. Menschen zu unterstützen und ihnen auch bei Problemen weiterhelfen zu können, gibt mir das Gefühl, in dieser Gesellschaft nicht überflüssig zu sein.

 

Persönlich kennengelernt haben wir Sie, als Sie 2018 eine eigene Tafel am Tag der offenen Gesellschaft organisierten. Haben Sie bei solchen Aktionen eigentlich Unterstützung vor Ort?

 

Hanneliese Minor: Ich bin vor allem auf mich selbst gestellt. Mein Mann unterstützt mich und auch die Kinder klinken sich hier und da mit ein, wenn ich allerdings eine Idee oder einen Plan habe, dann nehme ich diesen selbst in die Hand.

 

Was bedeutet Freundschaft für Sie?

 

Hanneliese Minor: Freundschaft bedeutet für mich Zuverlässigkeit. Auf Freunde muss man sich verlassen können. Natürlich ist das aber nichts Einseitiges. Auch ich habe den Anspruch an mich, in einer Freundschaft für den anderen da zu sein.

 

Hinweis: Dieser Text ist im Rahmen unseres Printmagazins "#dafür2 - Auf die Freundschaft" entstanden, das am 31. Januar erschien. Weitere Veröffentlichungen finden Sie hier.