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03.04.2019

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Die Offene Gesellschaft

"Es geht um meinen Heimatort"

Im bayerischen Garmisch-Partenkirchen wird heftg gestritten. Der Student Christian König (20) will Raum für den konstruktiven Dialog schaffen. Sein Tipp: Keine Scheu!

Christian König
Christian König, Freund der offenen Gesellschaft

Du setzt dich für eine bessere Debattenkultur in Garmisch-Partenkirchen ein. Warum ist das wichtig?

Christian König: Grundsätzlich: auch ich bin über die aktuelle Form des politischen Diskurses in Deutschland erschrocken. Dem müssen wir uns entgegenstellen. Wir müssen die offene Gesellschaft als Ort des konstruktiven Dialogs, des Miteinanders und auch des Kompromisses verteidigen. Daneben geht es mir um meinen Heimatort. Die Leute in Garmisch sind engagiert und politisch interessiert, aber leider gibt es auch hier eine Tendenz, in Lager zu verfallen und Meinungsverschiedenheiten erbittert bis zum Bürgerentscheid auszufechten. Das ist, wie ich finde, weder die beste Form von politischer Willensbildung, noch hilft es dabei, lagerübergreifend zu guten Lösungen zu kommen. Am Ende sind Echokammern entstanden. Ein echtes Gespräch im öffentlichen Raum fand nicht mehr statt.

Inspiriert von unserer „Welches Land wollen wir sein?“-Debattenreihe hast du im Dezember in Garmisch-Partenkirchen eine „Welcher Ort wollen wir sein?“-Debatte veranstaltet. Wie war's?

Christian König: Die Debatte war ein schöner Start für meine Arbeit in Garmisch-Partenkirchen. Selbst die Bürgermeisterin war überrascht, wie viele Leute gekommen sind, um über unseren Ort zu reden. Wir hatten ein tolles, gemischtes Publikum, die Diskutierenden sprachen ehrlich und offen über das, was sie bewegt. Es gab eine Menge Gesprächsbedarf. Das zeigt mir, dass ich einen Nerv getroffen habe. Natürlich habe ich auch dazugelernt, zum Beispiel, dass eingeladene Politikerinnen und Politiker schnell zum Fokus des Gesprächs werden können und die Auseinandersetzung dann weniger zwischen den Gästen abläuft. Oder auch, dass es schwieriger ist über Gesprächskultur an sich zu sprechen, als ich ursprünglich gehofft hatte.

Welche Tipps hast du noch für alle, die so wie du in Aktion treten wollen?

Christian König: In einem Satz: Gut planen, wissen wer wichtig ist und dann einfach machen und ohne Sorge aktiv werden! Ich glaube, man muss sein Engagement mit so vielen Partnern wie möglich aufstellen. Mich hat unter anderem meine ehemalige Schule unterstützt. Damit es diese Bündnisse gibt, muss man ganz direkt auf Personen zugehen. Wenn man sich engagiert, hat man Grund dazu und darf auch nach Hilfe fragen. Ich bin sehr häufig auf Unterstützung gestoßen, die ich nur gefunden habe, weil ich es probiert habe und ganz breit gefächert nach außen gegangen bin — da also keine Scheu und los!

Garmisch
Garmisch-Partenkirchen von oben. Foto: Gellinger / Pixabay

Unzufriedenheit in Veränderung verwandeln  

Du selbst studierst in England. Was treibt dich an, dich zugleich um die Debattenkultur in deiner Heimat Garmisch zu sorgen?

Christian König: Das ist eine ganz persönliche Motivation. Ich bin ins Ausland gegangen, weil ich Neues entdecken wollte. Dort habe ich erst gemerkt, dass mein Unwohlsein, meine Fragen nach dem Warum, mein Wunsch nach „einem anderen Ort“, damit zu tun haben, dass ich mit vielen Situationen in Garmisch unzufrieden bin. Das möchte ich ändern. Denn Garmisch ist meine Heimat, dort bin ich groß geworden und mir ist es nicht egal, was dort passiert. Dieses Gefühl möchte ich in positive Veränderung umwandeln, damit die Jugendlichen in Garmisch bald nicht mehr dieselben Reibereien mit dem Ort haben, wie ich damals.

Du steckst gerade schon mitten in den Vorbereitungen für dein nächstes Projekt. Beim Zamma Kulturfestival, das im Juli in Garmisch-Partenkirchen stattfinden soll, veranstaltest du ein Zukunftslabor. Worum geht's?

Christian König: Schon vor Dezember war mir klar, dass ich diese Sache, einmal angefangen, weiterverfolgen muss. Umso schöner war es, als mir das Rathaus die Gelegenheit bot mich im Rahmen dieses Festivals des Bezirks zu engagieren — für diese Chance, und mal wieder eure Unterstützung dabei, bin ich wirklich dankbar. Im Juli soll also es darum gehen, nach der ersten Veranstaltung konkreter zu werden und gezielt Ideen zu entwickeln. Deswegen gibt es im Zukunftslabor drei intensive Tage Brainstorming mit jede Menge Flipchart-Papier, Post-its und Co. — jede und jeder der möchte kann vorbeikommen und mitdenken. Zusammen sollen die Bürgerinnen und Bürger die Probleme des Ortes definieren, ihren Idealzustand formulieren und dann gezielte Maßnahmen vorschlagen um den Ort ein wenig besser zu machen. Am Ende steht wieder eine Debatte, diesmal aber über die Ideen die zuvor gesammelt wurden. Diese Vorschläge werden dann der Politik übergeben und — diesen Traum erlaube ich mir — vielleicht sogar Realität.

Fragen: Nathalie Götz

Du willst auch in Aktion treten? Jedes Engament im Sinne einer offenen Gesellschaft zieht neue Kreise und setzt in bewegten Zeiten ein Zeichen. Wenn du mit uns was wuppen willst, Material brauchst, Fragen oder Ideen hast, schreibe uns an: freunde@die-offene-gesellschaft.de

Hinweis: Eine ältere Version dieses Textes ist im Rahmen unseres Printmagazins "#dafür2 - Auf die Freundschaft" entstanden, das am 31. Januar erschien. Weitere Veröffentlichungen finden Sie hier.

 

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