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03.05.2019

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Initiative Offene Gesellschaft

„Jeder Tag sollte ein Tag der offenen Gesellschaft sein“

Ein ganzes Land trifft sich unter freiem Himmel und feiert die Demokratie. Diese utopische Idee wird Wirklichkeit – wenn richtig viele Menschen mithelfen. Die Aktivistin Ahrabhi Kathirgamalingam (25) mobilisierte 2018 im ganz großen Stil. Warum, verrät sie im Interview.

2018 hast Du als ehrenamtliche Botschafterin in Köln für den Tag der offenen Gesellschaft gewirbelt. Was hat Dich dazu bewegt?

Ahrabhi Kathirgamalingam
Ahrabhi Kathirgamalingam, Studentin und Freundin der Offenen Gesellschaft

Ahrabhi Kathirgamalingam: Ich habe schon seit einiger Zeit den Drang gespürt, politisch aktiver zu werden. Ich wusste nur leider nicht, wo und wie. Mein Mitbewohner erzählte mir dann von der Initiative Offene Gesellschaft. Ich meldete mich noch am selben Abend für den Newsletter an, und als wäre es ein Zeichen, fand ich am nächsten Morgen euren Ehrenamts-Aufruf im Postfach. Die gefragten Tätigkeiten passten haargenau auf das, was ich gerne ehrenamtlich tun wollte. Da habe ich natürlich nicht lange gezögert.

Was bedeutet dieser Tag für Dich?

Ahrabhi Kathirgamalingam: Mir ist die Symbolkraft des Tages wichtig. Es gibt beunruhigende Entwicklungen. Viele beschwören schon dunkle Zeiten unserer Geschichte herauf. Doch wichtiger als den Teufel an die Wand zu malen ist mir, für das zu kämpfen, was viele von uns für selbstverständlich halten: Demokratie, Pluralität und Toleranz. Eigentlich sollte jeder Tag ein Tag der offenen Gesellschaft sein.

Vom Studentenwohnheim bis zum Gemeinschaftsgarten – an mehr als 20 Orten in Köln fanden schließlich Tafeln und Picknicks statt. Viele davon hast Du angestoßen. Wie hast Du das geschafft?

Ahrabhi Kathirgamalingam: In einer großen Stadt wie Köln war es mir erstmal wichtig, mich nicht allein der Aufgabe anzunehmen. Deshalb habe ich versucht, andere für die Idee zu begeistern, damit die wiederum andere begeistern. Wir haben uns getroffen und erstmal eine lange Liste mit Initiativen, Organisationen und Privatpersonen gemacht, die man für den Tag der offenen Gesellschaft gewinnen könnte. Der nächste Schritt war dann, die Leute anzusprechen und von der Idee zu überzeugen. Besonders motivierend war es, als die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker zusagte, eine Tafel zu besuchen.

Tafel mit Rieker
Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker (links) setzte sich dazu. Tafel in Köln 2018.

Für Dein Engagement hast Du einen Preis der Helfer-Community GoVolunteer bekommen. Wie war das für Dich?

Ahrabhi Kathirgamalingam: Das war eine sehr große Überraschung. So einen Preis zu bekommen, ist natürlich eine riesige Motivation und ein schönes Feedback.

Hitzige Gespräche

Wie sollte ehrenamtliche Arbeit organisiert sein, damit sie richtig Spaß macht?

Ahrabhi Kathirgamalingam: Ehrenamt fruchtet dann besonders, wenn man seine eigenen Fähigkeiten sinnvoll einbringen kann. Das schafft große Begeisterung, Motivation und auch das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Es ist auch wichtig, dass man zuverlässige Ansprechpartner hat, die einem den Rücken stärken und das Gefühl geben, Teil des Teams zu sein. Es ist sehr wichtig, dass man sich bei Problemen und Rückschlägen nicht alleingelassen fühlt.

Wie hast Du selbst den Tag der offenen Gesellschaft 2018 erlebt?

Ahrabhi Kathirgamalingam: Leider konnte ich nur zwei Tafeln in Köln besuchen, aber sie hätten unterschiedlicher nicht sein können. Die Tafel mit Henriette Reker fand auf dem Wiener Platz in Köln-Mülheim statt. Es gab tolles Essen und es waren viele unterschiedliche Menschen da. Eine zweite Tafel habe ich in der Kölner Südstadt besucht. Wer Köln kennt, weiß, das sind zwei sehr unterschiedliche Veedel. Die Atmosphäre war sehr gemütlich, trotzdem gab es hitzige und interessante Gespräche über gesellschaftliche Themen. Es war einfach ein super Tag!

Fragen: Initiative Offene Gesellschaft

Titelbild: Szene bei der Tafel des Intergrationshaus e.V. in Köln 2018. Foto: Elena Schmidt

Bewegung3

Das kannst du tun, damit beim Tag offenen Gesellschaft am 15. Juni das ganze Land rausgeht und was rockt:

Tisch ausrichten: Organisiere einen eigenen Draußen-Tisch oder ein Picknick mit Freundinnen und Freunden oder der halben Nachbarschaft. Hier geht's zur Anmeldung: www.tdog19.de

Teilen: Sag's allen Freundinnen und Freunden, Bekannten und Verwandten: Am 15. Juni ist Tag der offenen Gesellschaft. Hier findest du Motive für die sozialen Medien: Webseite, Facebook.

Botschafter*in werden: Du wirst Teil unseres Freiwilligen-Netzwerks und wirbelst an deinem Ort für den großen Tag. Du mobilisiert Gruppen und Vereine, klebst Plakate, machst Fotos und Clips. Wir helfen dir dabei mit Spaß,Tipps und Material. Meld dich einfach bei unserer Koordinatorin Stefanie: volunteers@die-offene-gesellschaft.de.

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